Chronik

Der am östlichen Deisterhang gelegene Ort Argestorf ist zuerst im Jahre 1252 urkundlich genannt worden. Damals hat Wedekind von dem Berge aus dem Geschlecht der seit 1096 bezeugten Edelvögte des Bistums Minden dem Bischof Johann zu Minden den Zehnten zu „Herkestorpe“ = Argestorf resigniert.

Der in welfischer Zeit für Argestorf zuständige Verwaltungssitz war zunächst die Zentralverwaltung auf Schloss Lauenrode. Seit 1424 wurden die Bedelasten und Bruchgelder nach dem Calenberge entrichtet. Argestorf blieb auch in diesem Verwaltungsbereich, als 1653 die Vogteien Hiddestorf und Ihme an das Amt Coldingen gelegt worden sind. So hat der Ort unverändert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zum Amt Calenberg gehört, ehe er in preußischer Zeit im Landkreis Linden, später im Landkreis Hannover aufging.

Bald nach dem ersten Auftauchen in der Nachricht von 1252 als Herkestorpe - die Ortsnamenforscher haben diesen Namen „Zu dem Dorf des Herco“ gedeutet - ersuchte am 12.06.1254 Graf Moritz von Spiegelberg den Abt Hermann zu Corvey, dem Kloster Wennigsen das Obereigentum an acht Hufen Landes zu Erchestorpe zu schenken, die vorher die von Escherde dem Abt resigniert hatten. Und das Obereigentum einer weiteren Hufe in Erkestorp, die Conrad von Dungerden zu Lehen getragen hatte, übertrug Vogt Wedekind von dem Berge mit Zustimmung seines Sohnes Heinrich am 11.05.1257 dem Kloster Wennigsen.

Durch diese Vorgänge ist das Kloster Wennigsen schon früh in Argestorf mit Besitz­ und Zehntrechten ausgestattet worden, die den Versuch rechtfertigen, den Grundbesitz geschlossen zu erwerben. Hierzu boten die Äbtissin Adelheid zu Wunstorf, Graf Ludolf und die Canonissinnen die Hand, als sie ihre Güter in Argestorf mit jenen in „Degerdessen“ = Degersen eintauschten, die dem Kloster Wennigsen dort gehörten. Um 1270 war also demnach Argestorf mit seinem damals schon bewirtschafteten Grundbesitz von rund 300 Morgen und dem gesamten Zehnten in der Hand des Klosters vereinigt worden.

Aus dem frühen Mittelalter liegen keine Nachrichten über das Leben und Wirken der Ahnen vor. Wir können erst ab 1585 aus der Musterungsrolle die Namen der Bauern entnehmen, die sich damals aufgemacht haben, dem neuen Herzog Julius aus der Wolfenbütteler Linie zu huldigen: fünf Meierleute, fünf Kötner und ein Häusling aus Arxstorpe sind es gewesen.

Im Calenberger Hausbuch von 1592 waren noch die gleichen Namen auf den Höfen vertreten, doch sind sie unterschiedlich geschrieben worden. Als aber nach dem Dreißigjährigen Kriege im Jahre 1689 die Grundsteuerlisten angelegt worden sind, waren nur noch die Familien der beiden Vollmeier, Jürgen Nermeyer und Curt Garvens, geblieben. Auf den Voll- und Halbmeierhöfen waren inzwischen Personen mit anderen Namen ansässig. Die Bauern auf Groß- und Kleinkötnerstellen und die auf neuen Beibauernhöfen geführten Besitzer waren neu in Argestorf.

Im Jahre 1821 hatte der Ort erst 145 Einwohner erreicht, bis zum Jahre 1905 war er auf 325 Einwohner angewachsen und erreichte im Jahre 1939 nur wenig mehr, nämlich 336 Einwohner. Durch den Zustrom der Heimatvertriebenen waren bis 1955 in Argestorf 570 Menschen sesshaft geworden.

Die Gemarkung der Gemeinde ist 290 ha groß. Zu ihr gehört das „Pestorfer Feld“, das an das wüste Pledestorf erinnert, das 1246 bezeugt und im frühen Mittelalter verlassen worden ist.

Für ein Wappen boten sich aus dem urkundlich belegten Inhalt der Ortsgeschichte das Wappen des Mindener Bischofs für die früh bezeugte Oberhoheit der Kirche an, die durch die Besitz‑ und Zehntrechte des Klosters Wennigsen vom 13. bis 19. Jahrhundert, also eine eindrucksvolle Zeit, gedauert hat. Durch den Fürsprecher, den Grafen Moritz von Spiegelberg, kam der größte Besitz schon 1254 an das Kloster Wennigsen. Wahrscheinlich hat dieses alte Grafengeschlecht die ältesten Anrechte an der Gemarkung von Argestorf und seinen Besitz früh der Kirche verschrieben, wie es die um ihr Seelenheil besorgten Adelsgeschlechter des Landes vielfach taten.

So entstand für Argestorf ein Wappen, das das alte Grafenwappen, den roten Hirsch im silbernen Felde, in der ehrenden Absicht wiedergibt, dieses mit der Landes- und Ortsgeschichte verwobene Geschlecht im Bewusstsein der Einwohner zu erhalten. Der im Grün, das den bäuerlichen Charakter des Dorfes betont, liegende silberne Schlüssel soll auf die Jahrhunderte lange Oberhoheit der Kirche hinweisen, die Zehntherr war.